Die Anti-Nazi Teen Gang, die die Hitlerjugend verprügelte und zum Jazz tanzte

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Kurz vor dem vor dem Zweiten Weltkrieg führte die NS-Reglementierung der Gesellschaft zu massiven Schlägerein von Straßenbanden im Teenageralter, die die Hitlerjugend verprügelten, an Bahnhöfen Anti-Nazi-Graffiti markierten und Jazz hörten. Diese nicht konformen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren wurden von der Gestapo als Edelweiss-Piraten bezeichnet.

Als die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend 1936 obligatorisch wurde, wollten Tausende von Jugendlichen, insbesondere aus Köln und aus Familien der Arbeiterklasse, nicht eintreten. Die strenge paramilitärische und geschlechtsspezifische Organisation passte nicht zu ihrem Lebensstil, an Straßenecken abzuhängen, Jazz- und Swingmusik zu hören und mit dem anderen Geschlecht zu flirten.



Jazzmusik wurde von der nationalsozialistischen Ideologie als „entartete Musik“ angesehen, da sie oft von schwarzen und jüdischen Musikern aufgeführt wurde und die freie Liebe förderte.

Unerlaubtes „Off-Grid“ -Reisen außerhalb der Augen der Nazis war zu dieser Zeit in Deutschland ebenfalls streng illegal. Aber genau das taten sie, organisierten geheime Campingausflüge in die Berge, versteckten sich in Wäldern, wo sie verbotene Musik hören und Lieder singen, mit dem anderen Geschlecht rumhängen und im Allgemeinen gegen die Regeln verstoßen konnten.

Es gab auch die „Swing Kids“, eine Gruppe von Schülern der Oberschicht, die die britische und amerikanische Lebensweise bewunderten. Sie tanzten in privaten Räumen, Clubs, gemieteten Hallen und verschönerten ihr Aussehen mit britischem und amerikanischem Flair. Jungen trugen Union Jack-Nadeln an ihren Jacken, und Mädchen trugen kurze Röcke, Lippenstift und hielten ihre Haare lang, statt Zöpfe im deutschen Stil zu flechten. Aber als die NSDAP an die Macht kam, wurde ihr Zeitvertreib noch mehr zu einem politischen Statement.



 

Während die Edelweiss-Piraten rebellieren wollten, die Travelling Dudes Abenteuer wollten und die Swing Kids nur tanzen wollten, teilten sie alle das gemeinsame Ziel: eine vollständige Unterordnung unter die Hitlerjugend zu vermeiden und ihre eigene Jugendidentität zu etablieren. Eine von der Gestapo zusammengestellte Akte soll allein in Köln bereits Ende der 1930er Jahre mehr als 3.000 Namen enthalten haben. In Bezug auf die Anzahl würde dies bedeuten, dass diese Jugendlichen ein viel größeres Widerstandspotential darstellten als jede andere Oppositionsgruppe in Deutschland, die sich aus Erwachsenen zusammensetzte.



Sie wurden mutiger und markierten öffentliche Mauern mit Anti-Nazi-Parolen wie „Nieder mit Hitler!“. und „Medaillen für Mord!“. Das Werfen von Ziegeln durch Fenster und das Sabotieren von Autos von Nazibeamten eskalierte zu Überfällen auf Militärbasen, zum Entgleisen von Zügen und schließlich sogar zur Sprengung des Gestapo-Hauptquartiers in Köln.

Sie klingen wie Widerstandskämpfer, aber die Mehrheit der Edelweiss-Piraten sah sich nicht als solche und kämpfte lediglich darum, ein bisschen Selbstbestimmung und Freiheit zu beanspruchen.

Natürlich gingen sowohl die Hitlerjugend als auch die Gestapo ihnen nach. Anfangs waren es nur die Patrouillen der Hitlerjugend, die oft Campingausflüge oder geheime Tanzveranstaltungen überfielen. Im Gegenzug überfielen die Piraten ihre Patrouillen und waren sehr stolz darauf, sie verprügelt zu haben. Einer ihrer Slogans war „Ewiger Krieg gegen die Hitlerjugend“.

Aber die Verfolgung dieser Gruppen wurde immer gewalttätiger, als sich die Gestapo einmischte. Jean Jülich, einer der Führer der Navajos, wurde vier Monate lang gefoltert. Er war 15. Ein weiterer 16-jähriger Rädelsführer wurde hingerichtet. Es versteht sich von selbst, dass er keine Gerichtsverhandlung bekam.

Aber auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Einzug der Sowjets fanden die antiautoritären Jugendgruppen, die jetzt älter und vom Krieg zermürbt sind, keinen Frieden. Wenn sie den Nazis nicht erlaubt hätten, ihnen zu sagen, was sie tun sollen, würden sie die Russen sicherlich nicht lassen.

Sie stießen mit der neuen Ordnung in der Sowjetzone zusammen, wo sie für 25 Jahre ins Gefängnis geworfen wurden, wenn sie von den Kommunisten gefasst wurden. Die Piraten hatten der Politik oder jedem Umfeld, in dem die Politik im Mittelpunkt stand, immer den Rücken gekehrt. Dies zwang sie in die Rolle sozial-Ausgestoßener. Bis 2005 galten sie noch als kriminelle Vereinigung. Erst vor kurzem wurden diese Kinder, die sich Hitler und dem bösesten Regime der modernen Geschichte stellten, offiziell als Widerstandskämpfer anerkannt

 


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