Amerikas Jahrzehnt der schwarzen Werbung

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Diese Anzeigen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts wären nicht nur auf den Magazinseiten des weißen Amerikas einzigartig. In den 1950er und 1960er Jahren haben die berüchtigten Agenturen der Madison Avenue, auch bekannt als die „Mad Men“, auch afroamerikanische Dollars umworben. Die Anzeigen versteckten sich im Schatten der Mainstream-Gesellschaft, ein Paralleluniversum der Werbung, das auf eine afroamerikanische Mittel- und Oberschicht abzielte, die von weißen Verbrauchern selten gesehen wurde und wird.

Die Anzeigen zeichnen ein völlig ungewohntes, aber deutlich glänzendes Bild des Lebens der damaligen schwarzen Amerikaner. Es ist sofort eine Freude, diese alternative Welt der schwarzen Medien (wieder) zu entdecken, aber bei näherer Betrachtung zeigen sich die Risse unter diesen glatten, lebendigen, Anzeigen. Denn gefunden hättest Du diese Anzeigen niemals in den großen Magazinen wie  LIFE, Vogue oder Esquire. 

Johnson Publishing brachte Magazine für die schwarze Bevölkerung raus. Die Blätter mit den Titeln Jet oder Ebony wurden extra für die schwarze Mittel und Oberschicht ins Leben gerufen.  Und diese Schichten gab es durchaus, auch wenn die Mehrheit der schwarzen damals wie heute völlig unterbezahlt war und ist.

Als Gründer John Harold Johnson erkannte, dass die afroamerikanische Gemeinschaft nach solch bestätigenden Bildern hungerte, erkannte er die Nische im Verlagswesen schon früh und bezeichnete den weitgehend ignorierten schwarzamerikanischen Verbrauchermarkt als „Schwarzgoldmine“.

 

Jahrzehntelang waren diese revolutionären Veröffentlichungen der einzige Ort, an dem Afroamerikaner Geschichten über ihre eigene Gemeinschaft finden konnten, in denen wohlhabende, schwarze Mitglieder der Gesellschaft vorgestellt wurden.  Beim Friseur konnten die Menschen ein Ebony- oder Jet- Magazin aufblättern und schwarze Architekten, Anwälte und Geschäftsinhaber (sogar Geschäftsfrauen) auf den Seiten neben Anzeigen mit farbigen Menschen sehen, die einen romantischen, bürgerlichen Lebensstil verkaufen.

 

Martin Luther King Jr. verglich einmal die Behandlung von schwarzen Amerikanern in der alltäglichen Gesellschaft und in den Medien mit einem „degenerierenden Gefühl von„ Nobodiness ““. Bevor die Johnson Publishing Company hinzukam, existierte die schwarze Verbraucherdemografie für Amerikas Unternehmen einfach nicht. In seiner Blütezeit druckte man die Ebony ( nach dem Vorbild des LIFE- Magazins )  2,5 Millionen mal pro Monat. Diese Zahlen, die angeblich von keinem anderen Magazin in Amerika übertroffen wurden, konnten von den großen Unternehmen nicht länger ignoriert werden.

 

 

Die Johnson Publishing Company mit Sitz in Chicago und eine kleine Pioniergruppe schwarzer Marketing-Männer in New York überzeugten große Marken davon, dass Werbung in ihren eigenen Lifestyle-Magazinen direkt mit ihnen sprechen muss, um die afroamerikanische Community zu erreichen , wo ihr Reichtum, ihre Kaufkraft und vor allem ihre Hautfarbe anerkannt und geschätzt wurden.

Diese Anzeigen würden niemals in den Mainstream-Medien der Weißen zu sehen sein, aber die Marketingrenditen waren für Unternehmen dennoch extrem hoch, was zu einem unsichtbaren „goldenen Zeitalter“ für gezielte schwarze Werbung führte.